Unsere Stadtteile in Hannover-Südstadt-Bult
Südstadt
Ein Lehrgang in hannoverschem Backsteinexpressionismus. Die Geschichte beginnt um 1600 mit den Gartenleuten, die sich außerhalb des Aegidientors ansiedelten und Gartenland bewirtschafteten; den Namen Südstadt verwendete 1911 erstmals Helmut Jacob offiziell.
Drei Bauepochen liegen übereinander. Vor 1914 Gründerzeit und Jugendstil an Hildesheimer Straße, Stolzestraße und rund um den Stephansplatz – Altbauten mit hohen Decken, Stuck und historischen Beschlägen. In den 1920er- und 1930er-Jahren die vier- bis fünfstöckigen Klinkerbauten, die heute das Bild prägen. Dazu frühe Hochhäuser wie das Glückauf am Geibelplatz 5 und das Wohnhochhaus in der Oesterleystraße 5, beide von 1928, letzteres von Fritz Höger. Anfahrt: 13 bis 16 Minuten.
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Bult
Der Name kommt vom niederdeutschen Bulte und heißt schlicht Hügel. Mit rund 3.200 Einwohnern ist Bult einer der kleinsten und grünsten Stadtteile Hannovers: im Nordwesten der Braunschweiger Platz, im Osten der Übergang zur Eilenriede, im Süden der Bischofsholer Damm als Hauptachse. Mittendrin liegt das Landschaftsschutzgebiet Alte Bult mit dem Hiroshima-Gedenkhain aus 110 Kirschbäumen, gepflanzt 1988.
Türen und Schlösser in Bult: Ein Stadtteil der Reihenhäuser und gepflegten Eigenheime. Die Spanne reicht von der original erhaltenen Haustür aus der Entstehungszeit der Siedlung – vielfach noch mit Zylindern aus den 1960er- und 1970er-Jahren – bis zur modernisierten Sicherheitstür mit Mehrpunktverriegelung. Wo noch die alte Mechanik sitzt, fehlt der Bohrschutz, und das ist in einem gut situierten Wohngebiet die relevanteste Schwachstelle.
Anfahrt: 15 bis 18 Minuten über den Bischofsholer Damm. Orientierungspunkte: der Braunschweiger Platz, die Janusz-Korczak-Allee am Kinderkrankenhaus, die Tierärztliche Hochschule und die Alte Bult.
An der Tiefenriede – Klinker als Sozialpolitik
Als Hannover 1859 seine Vorstädte eingemeindete und das Stadtgebiet von 157 auf über 2.000 Hektar vergrößerte, war die Tiefenriede eine der eingemeindeten Ortschaften. Ihr heutiges Gesicht bekam sie erst in der Weimarer Republik: Stadtbaurat Karl Elkart ließ ganze Straßenzüge mit vier- bis fünfstöckigen Mehrfamilienhäusern errichten und schrieb Klinker als Fassadenmaterial vor. Was heute als Architekturstil bewundert wird, war damals Wohnungspolitik.
Die Straßennamen des Viertels sind mehrfach neu verhandelt worden. Die seit 1960 nach Elkart benannte Allee heißt nach langer öffentlicher Debatte seit Januar 2015 Hilde-Schneider-Allee. Der heutige Bertha-von-Suttner-Platz trug bei seiner Entstehung 1916 den Namen Carl Peters'. In der Stolzestraße erinnert eine Gedenktafel an den Philosophen und Publizisten Theodor Lessing (1872–1933), der an der Technischen Hochschule lehrte, von Nationalisten angefeindet und 1933 im tschechischen Marienbad ermordet wurde.
Für die Tür heißt das: Gründerzeit spielt hier kaum eine Rolle, der Bestand ist Backstein der Zwischenkriegszeit. Die Klinkerfassaden an Stephansplatz, Bertha-von-Suttner-Platz und Geibelplatz sind als Kulturdenkmale eingetragen – jede unnötige Spur an Zarge oder Beschlag ist dort dauerhaft sichtbar, weshalb wir langsamer arbeiten und vorher erklären, wie wir vorgehen. Besonders häufig gerufen werden wir zu Keller- und Erdgeschosstüren, in denen oft noch die ältesten Schlösser des Hauses stecken. Anfahrt: 15 bis 17 Minuten über den Altenbekener Damm.
Der Maschsee und seine Entstehungsgeschichte
1932 waren 58.000 Hannoveraner ohne Arbeit. Im Oktober desselben Jahres beschloss die noch sozialdemokratisch dominierte Stadtverwaltung den Bau eines Sees als Arbeitsbeschaffungsprogramm. Beim ersten Spatenstich im März 1934 waren die Nationalsozialisten bereits an der Macht. Bis 1936 wurden 780.000 Kubikmeter Erde aus dem Überschwemmungsgebiet der Leine ausgehoben – heute ist der See 2,4 Kilometer lang.
An einer Stelle, die inzwischen in der nördlichen Seemitte unter Wasser liegt, stand bis 1935 die 1904 errichtete Bismarcksäule; an ihr fand im Mai 1933 die Bücherverbrennung in Hannover statt. Kurz vor der Flutung wurde sie abgerissen. Seit 2012 stehen am Nordufer gegenüber dem Sprengel Museum zwei Informationstafeln, die sich mit der Entstehung des Sees und seinen Skulpturen kritisch auseinandersetzen; 2005 hatte der spanische Künstler Santiago Sierra in der Kestnergesellschaft an die Arbeitsbedingungen der Erbauer erinnert, indem er einen begehbaren Raum mit Schlamm füllen ließ.
Rund um das Seeufer prägen Gründerzeithäuser und Klinkerbauten der 1920er-Jahre das Bild – dieselbe Mischung wie in der übrigen Südstadt, nur mit teureren Adressen. Anfahrt zum Nordufer: 13 bis 16 Minuten.